Start Finanzen Crowdfunding Hype um die HYGH AG? Wo bleiben die Resultate?

Hype um die HYGH AG? Wo bleiben die Resultate?

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geralt (CC0), Pixabay

Vor etwa einem Quartal berichteten wir über die HYGH AG, die Investoren für Ihre “Agentur für Kryptowährungen” suchen. Als Vehikel zur Bewerbung ihrer Idee kamen Sie auf die Idee, digitale Werbung anzubieten. In einem Bericht im “Tagesspiegel” äußerten die Verantwortlichen großmundig: “Man wollte der Airbnb unter den Außenwerbefirmen werden. […] Konkret will HYGH Werbung auf eigenen – aber auch zunehmend auf fremden Bildschirmen ausspielen. […] Und Kunden könnten Werbeplatz auf diesen Bildschirmen buchen – und zwar viel zielgerichteter als bisher.” Investoren können hierfür Token erwerben.

In unserem Kommentar monierten wir, dass das auch bei der Schweizer Finanzmarkaufsicht, der FINMA, registrierte Unternehmen keine Registernummer aufwies. Dies wurde mittlerweile nachgeholt. Laut dem letzten Eintrag vom 13.1.2020 wurde zudem das Aktienkapital um 1.000 Franken auf 101.000 erhöht. Ansonsten hat sich nichts geändert. Im deutschen Register findet sich kein neuer Eintrag zu dem Unternehmen. 

Hinweisen wollen wir an dieser Stelle aber, dass die Dachgesellschaft absichtlich im Schweizer Zug angemeldet wurde, weil dieser Kanton für seine freundliche Kryptowährungseinstellung bekannt ist. Ob man damit eventuell restriktivere Vorgaben von der deutschen BaFin umgehen will (seit Anfang des Jahres benötigen Kryptogeschäfte eine Erlaubnis), können wir nicht sagen.

21,5 Millionen Euro möchte das Unternehmen über seinen STO (Security Token Offering”) einnehmen. Bei dieser Form des Crowdinvestings erhält der Investor Anteile an der Firma, an einer Immobilie oder auch, wie hier, am Umsatz. Neun Prozent des Umsatzes soll an die Investoren verteilt werden. Das heißt, dass das Unternehmen noch bevor es irgendwelchen Gewinn macht – man muss ja erst einmal investieren -, schon Geld ausschütten muss! Zumal es selber nur fünf Prozent des Umsatzes einbehält, während der Rest an die Besitzer der Werbeflächen gehen soll. Das ist wirtschaftlich gesehen hochriskant, wenn auch für den Anleger natürlich reizvoll!

Was uns weiterhin auffällt: Technische Informationen bezüglich des Token finden sich auf der Webseite sehr spärlich. Vermutlich, weil es sich um ein Closed Source-Projekt handelt, bei dem keine Transparenz gegeben ist. So bleibt völlig unklar, ob es eine Obergrenze bei den auszugebenden Token gibt, wie viel diese kosten usw. Und: Sowohl die “FAQ” (Frequently Asked Questions)-Seite als auch “Hilfe und Support”, die hier zusätzliche Informationen für den potentiellen Investor bringen können, sind nicht aktiv! Auch die für Anfang des Jahres versprochene Plattform ist noch nicht existent und soll nun im März ihr “roll-out” erleben.

Übrigens: Ein bezahlter und selbst verfasster Artikel bei Reuters, n-tv, Handelsblatt usw. ist immer noch eine Werbung und kein seriöser, ernstzunehmender redaktioneller Beitrag!

Im zweiten Quartal möchte das Unternehmen beginnen, in weitere deutsche Städte zu expandieren. Dafür hat es eine Kooperation mit Samsung abgeschlossen und will bis Ende des Jahres 5.000 Displays deutschlandweit in Schaufenstern installiert haben. An Samsungs Stelle wäre ich bei einem Kaufvertrag über so viele Geräte auch bereit, eine offizielle Pressemeldung herauszubringen. Selbst in Berlin, dem Sitz des Unternehmens, scheint man bisher nur sehr wenige an den Mann respektive die Frau gebracht zu haben (früher hatten sie auf ihrer Webseite mal eine Karte, diese wurde aber entfernt. Denken Sie sich Ihren Teil dazu…). Wir sind jedenfalls gespannt, ob sie das umgesetzt bekommen…

Für diejenigen, die stärker in die Materie einsteigen wollen und auch technisch versiert sind, lohnt sich ein Blick auf diesen Forumsbeitrag, in dem anscheinend einer der Gründer, Vincent Müller, bei kritischen Nachfragen versucht, sich herauszulavieren und letztendlich ganz verstummt. Es werden interessante Fragen aufgeworfen und diskutiert!

Wenn man uns aktuell fragen würde, ob wir in das Unternehmen investieren würden, bliebe nur eine Antwort: Solange außer einer Idee keine belastbaren Resultate vorgelegt werden können, müssen wir eindeutig abraten!

 

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6 KOMMENTARE

  1. Sehr geehrtes Verbraucherschutz Forum Berlin,
    Gerne würden wir sie in unsere Heiligen Hallen einladen um ihnen die Gewünschten Resultate bei Kaffee und Kuchen nahe zubringen. Wir bei der HYGH AG sind sehr transparent und halten unsere Investoren ständig auf dem Laufenden. Wenn es für neu Investoren an Informationen mangelt, dann freuen wir uns über dieses Feedback und bemühen uns gerne mehr Informationen der Öffentlichkeit bereit zu stellen. Des weiteren findet unser Platform Launch am 16.06 statt, diesen können sie gerne im Livestream mitverfolgen. Falls sie an unserem Angebot interessiert sind, können sie uns gerne unter folgender Email erreichen.
    ffrey@hygh.tech.
    Ob unser CEO, Vincent Müller tatsächlich Äußerung in denen von ihnen erwähnten Forum getätigt hat, können wir nicht bestätigen. Möglicherweise handelt es sich hierbei auch um ein Trittbrettfahrer.
    Ich wünsche ihnen einen Schönen Tag.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Fritz Mares Frey

  2. Das hier schreibt das Verbraucherschutzforum Berlin in seinem Impressum über sich selbst:
    verbraucherschutz.forum ist um die Richtigkeit und Aktualität der auf dieser Internetpräsenz bereitgestellten Informationen bemüht. Nichterreichbarkeiten, Fehler sowie Widersprüche können gleichwohl nicht vollständig ausgeschlossen werden. Eine Gewährleistung für die Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit oder Qualität der bereit gestellten Informationen kann nicht erfolgen.

  3. Meint den das “Verbraucherschutzforum” nicht langsam mal das es Zeit wäre für ein kleines Update?
    Oder will sich der “Redakteur” des Artikels nicht mehr mit seinen Diffamierungen auseinandersetzen?
    Seriös geht anders!

  4. Bildschirme sind überall in Berlin. 🙂

    Die erste Ausschüttung war pünktlich und der Umsatz in den ersten 3 Monaten waren bemerkenswert. 🙂

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