Start Allgemein Die neue Cancel Culture: Johnny Depp, Barak Obama und der Wilde Westen

Die neue Cancel Culture: Johnny Depp, Barak Obama und der Wilde Westen

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LyraBelacqua-Sally (CC0), Pixabay

Die sog. Cancel Culture beschreibt, verallgemeinert, die komplette soziale Ausgrenzung bzw. die systematische Bestrebung des gänzlichen Ausschlusses einzelner Personen von der Gesellschaft oder etwa auch von Organisationen.

Johnny Depp ist wohl aktuell eines der prominentesten Opfer dieser neuen Zensur.

Er gilt aber stellvertretend für alle Menschen und das Phänomen hat schon seit vielen Jahren Raum gegriffen.

Ärzte, Richter, Unternehmer, Manager, Therapeuten, Universitätsprofessoren, Geschäftsinhaber, Lokale etc. werden verrissen, für ihr Tun oder ihre Meinung schlecht gemacht und „gecancelt“. Schnell greifen Gier, Neid, Hass, Schadenfreude und andere menschliche Abgründe um sich.

Diese soziale Unart ist weder neu noch erstrebenswert. Es hat nur durch die neuen digitalen Medien einen Aufschwung erlebt. Früher wurden etwa schon Verdächtige von Straftaten sozial gesteinigt. Dabei mussten sie nicht einmal selbst Täter gewesen sein. Schnell griff die sogenannte „öffentliche Meinung“ auf ein ganzes Dorf über und der Betroffene (wie auch seine Familie) musste mitunter Wohnort, Arbeit und alles andere hinter sich lassen.

Damals gelang es noch relativ leicht, wenn auch ungewollt, an einem anderen Ort ein neues Leben beginnen zu können. Dies konnte auch schon passieren, wenn man öffentlich bestimmte Meinungen von sich gab.

Im Zuge der Digitalisierung unserer Gesellschaft ist die soziale Zensur jedoch allgegenwärtig geworden und greift um sich.

Der Wahrheitsgehalt von Aussagen wird kaum überprüft. Die Unkultur hat nun weltweit seine Fortsetzung gefunden. Schon der ehemalige amerikanische Bundespräsident Barack Obama warnt vor den Gefahren. Er hebt dabei hervor, dass es immer Mehrdeutigkeiten geben könne. Seine eigenen Töchter hatten ihm bestätigt, dass an amerikanischen Universitäten Menschen für ihre Meinung verurteilt würden.

Menschen und ihre Meinungen oder auch ihre Einstellungen werden bei der Cancel Culture kollektiv diskriminiert und ausgegrenzt. Der Schaden ist privat und wirtschaftlich mitunter enorm oder gar (wirtschaftlich) tödlich. Wer will schon einen Universitätsprofessor für Medizin berufen, welchem ein kritischer „Internetruf“ vorauseilt? Dann schon lieber einen über den nichts gelesen werden kann! Die Gleichschaltung des Systems folgt auf dem Fuß. Will man Karriere machen muss man unter dem Radar durchfliegen lernen.

Eine differenzierte Betrachtung findet im Internet nicht statt. Wer will schon Millionen von privaten Meinungen beeinflussen können? Die digitalen Medien werden gezielt für (oft bezahlte) Beschmutzungskampagnen gegen einzelne Personen verwendet. Es wird nicht mehr zwischen Personen, privaten Meinungen, einzelnen Handlungen, Umstände und Randbedingungen unterschieden. Schnell werden Gerüchte in Umlauf gesetzt, welche die Betroffenen beinhart treffen.

Aufklärungsdebatten können nicht mehr stattfinden. Das Wegziehen ist ebenso nicht mehr möglich. Die Betroffenen werden viele Jahre von den sogenannten „objektiven“ Meinungen verfolgt.

Die digitalen Medien helfen dabei wieder einen Metternich-Staat zu gründen. Private Meinungen und Anschauungen werden nicht mehr öffentlich kundgetan. Das Recht etwa auf die Freiheit eigener Meinung, wird dadurch massiv untergraben, ausgehöhlt, pervertiert und unterwandert.

Der Vorgang erinnert an eine nicht zu lange vergangene Zeit, welche eine eigene Meinung nicht duldete und dies mitunter zum Tod führen konnte. Die Mittel haben sich verändert. Die Abstrafung findet mittels digitaler Medien statt. Das Internet verkommt zu einer giftigen Brühe.

Das Recht auf eine eigene Meinung ist eines der grundlegendsten Menschenrechte. Dieses verbürgte Recht kann im Rahmen der digitalen Medien nicht mehr aufrechterhalten werden. Menschen werden für ihre eigene Meinung bestraft, verurteilt und schließlich ausgegrenzt. Dies findet unter dem Namen der „Cancel Culture“ statt.

Der Wahrheitsbeweis von Behauptungen muss nicht angetreten werden. Konsequenzen müssen nicht in Kauf genommen werden. Die soziale Tötung erfolgt ohne Folgen für die Anschuldiger. Was bleibt sind die Opfer und ihre Wunden.

Die Meinungsfreiheit ist ein sog. Menschenrecht und wird garantiert, um zu verhindern, dass die öffentliche Meinungsbildung und Gesetzgebung beeinträchtigt oder verboten wird (sinngemäß etwa bei Wikipedia).

Was passiert aber, wenn die öffentliche Meinungsbildung selbst manipuliert und gar nicht evidenzbegründet ist? Auftragsarbeiten an Meinungsforschungen sind inzwischen die Regel in der Politik. Jüngste Enthüllungen zeigen, dass auch diese manipuliert sind. Wie sagte schon Churchill sinngemäß: „Vertraue nur auf die eigene Statistik!“

Wir befinden uns, digital gesehen, im Wilden Westen des 21. Jahrhunderts. Es zählt das Recht der stärksten Plattform. Der Gesetzgeber hinkt den tatsächlichen Verhältnissen hinterher.

Was vor rund 30 Jahren als Freiheit des Internets gepriesen wurde hat sich in vielen Bereichen zu einem Fluch entwickelt. Der Mensch kann mit der Freiheit nicht so umgehen, wie man es von ihm verantwortungsvoll erwarten könnte. Übrigens hatte er das, wie die Geschichte zeigt, noch nie gut gekonnt! Die digitalen Kinder werden von ihrer eigenen Revolution gefressen.-auch dies ist in der Menschengeschichte keine Neuigkeit und altbekannt in anderen Kontexten.

Es wird noch einige Jahre dauern, jedoch tut eine Reglementierung des hier aufgezeigten dringend Not.

Salvatore Giacomuzzi

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